News » Rettungsdienst in Österreich – Herausforderungen an Ausbildung und strukturelle Entwicklung

30.01.2014

NotfallmedizinDie zukünftige Entwicklung stellt erhöhte Anforderungen an den Rettungsdienst: Veränderung der Bevölkerungsstruktur, Ärztemangel, Qualität als Selbstverständlichkeit und Kostendruck. Die Anzahl und die Komplexität der Einsätze steigen.

Verglichen mit anderen Ländern ist die rettungsdienstliche Ausbildungsdauer in Österreich gering und das Niveau der notfallmedizinischen Versorgung ist über das Bundesgebiet gesehen sehr unterschiedlich. In manchen Bundesländern und Organisationen wird der Rettungsdienst in rechtlichen Graubereichen betrieben. Das Sanitätergesetz existiert mittlerweile seit zehn Jahren! Nun ist es an der Zeit, diese vergangenen Jahre zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen. Der Vergleich mit anderen Ländern und mit internationalen, normierten Ausbildungskonzepten, welche mehr und mehr Einzug bei uns halten, zeigt mögliche Weiterentwicklungen auf.

Ein Großteil der PatientInnen wird von nichtärztlichem Personal versorgt; nämlich von Rettungs- und NotfallsanitäterInnen. Diese sind als tragende Säule für die Hauptlast des Rettungsdienstes zuständig. Ein Großteil dieser SanitäterInnen sind dabei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen; eine in Österreich historisch gewachsene Struktur. Doch wie sieht es in Zukunft mit diesen Freiwilligen aus? Kann ein modernes und qualitativ hochwertiges Rettungswesen durch großteils freiwillige MitarbeiterInnen überhaupt aufrecht erhalten werden? Und welche Zukunft gibt es für den Zivildienst? Welchen Stellenwert hat dieser für den Rettungsdienst und welchen müsste er haben?

Vor all diesen Überlegungen muss man zunächst eine bedeutende Frage beantworten: Welchen Stellenwert hat der Notfallpatient/die Notfallpatientin in unserem Rettungsdienst? Wer sind die professionellen HelferInnen und wie sieht die Ausbildung dieser aus?

Viele Hilfsorganisationen preisen den hohen Ausbildungsstandard ihrer – zumeist freiwilligen – MitarbeiterInnen an. Doch betrachtet man das Ganze näher, sind auf vielen „Rettungswagen“ unzulässigerweise nur zwei RettungssanitäterInnen mit einer vom Gesetz her mindestens 260-stündigen Ausbildung zu finden. Stellt man diese Ausbildungsdauer mit der Brisanz und Wichtigkeit der professionellen Tätigkeit in der Notfallrettung – immerhin geht es hier um das kostbarste Gut Gesundheit und Leben von PatientInnen – in Frage, wirft diese Tatsache doch einiges an Verwunderung auf. In keinem anderen Beruf begnügt man sich mit so einer geringen Ausbildung. Grund genug, fest eingefahrene Strukturen und Denkweisen zu hinterfragen und den Blick über den rettungsdienstlichen Tellerrand zu wagen.

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Armin ReisingerInfo zum Autor:
Armin Reisinger, MBA
NFS (NKI) aus Traun, OÖ
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Intubationsbild: Dr. Alexander Egger, Scheibbs
Bild zum Autor: Armin Reisinger, Traun